Schon seit einiger Zeit stand mir der Sinn nach einem zweimotorigen Tiefdecker mit bis zu 1,80 m Spannweite. Der Markt bietet in diesem Sektor nicht allzu viel; Schaumwaffeln kamen hier für mich nicht in Frage. Und so war ich freudig überrascht, als der „Himmlisch" vor rund einem Jahr die Piston-Twin mit 1,50 m Spannweite herausbrachte. Der hohe Preis und laufende Projekte (zu der Zeit baute ich gerade den Interceptor von Tomjets) führten aber dazu, dass ich erstmal nicht auf den „Kaufen"-Button klickte. Da aber der nächste Winter vor der Tür stand war es in diesem Herbst endlich so weit.
Wenn man sich für dieses Flugzeug entscheidet, muss man mit einer vierstelligen Investition rechnen. Allein der Bausatz kostet 619,00 €, dazu zwei Motoren, Regler, acht! Servos, Empfänger, Akku, Beleuchtung, Folie...das ist nicht ohne. Man bekommt aber einen Spitzen-Bausatz und je nach persönlicher Vorliebe auch ein optisch großartiges Flugzeug.
Als bekennender Dauer-Holzwurm habe ich schon viele Flieger vom Höllein (oder Grüner CNC bzw. Andreas Decker) gebaut: das „Piperle", die „Tigermoth" und die „Sopwith Pup", das „Dryegg", die legendäre Libelle, den „Thermal Instinct" und noch jede Menge Kleinzeugs. Aber die Qualität des Bausatzes der Piston-Twin ist nochmal eine Nummer höherwertiger und durchdachter.
Ausgesuchte Hölzer, auch größere Bretter aus einem Stück, alle Bauteile nummeriert (mit Laser), nur kleine Brücken halten die Teile im Brettchen und sind einfach zu entfernen, ein mitgeliefertes Fahrwerk mit 5 mm Fahrwerksstahl...ich könnte hier noch einiges aufzählen was den Bausatz so besonders macht. Aber das Beste ist: es passt alles ohne Nacharbeit und so fügt sich schnell Teil an Teil zu einem doch recht imposanten Flugzeug. Die gedruckte Bauanleitung und das gedruckte Plan-Set im Maßstab 1:1 in Verbindung mit der gedruckten Bilddokumentation vervollständigen den Bausatz.
Fast alle zum Bau notwendigen Kleinteile sind beigelegt und wie auch die Brettersammlung in Baugruppen sortiert.
Es kann also los gehen...
Und was muss der Bauherr mitbringen? Auf jedem Fall Bock auf Holzstaub, die Fähigkeit auch vollbeplankte Bauteile verzugsfrei herzustellen und natürlich viel Spaß an der Sache. Ansonsten ist es aber wie bei allen bereits erwähnten Bausätzen aus diesem Hause eher eine Aufgabe des Fleißes als des Könnens. Und im Zweifel gibt es ja immer nette Vereinskollegen, die auch hier weiterhelfen. Auf RC-Network gibt es zudem einen guten Baubericht der weitere Fragen beantworten kann.
Der Rumpf ist ein klassischer Kastenrumpf ohne Ausschnitte für die Verglasung. Es gibt einen großen Deckel im Nasenbereich für den Akku (4S 5.800).
Hier lohnt sich auf jeden Fall zu prüfen, ob der ggf. schon vorhandene Energiespender passt, da die Einschubhöhe durch das darunter liegende Bugfahrwerk begrenzt ist.
Die Leitwerke werden mit Stäbchen auf der unteren Beplankung aufgebaut; sodann werden die Stäbe und die untere Beplankung so verschliffen, dass diese zum Ende hin auf Null auslaufen. Schon hier ist es empfehlenswert, wenn man gute und lange Schleifklötze hat und die nicht mit einem 240er Papier versehen sind, sonst schleift man sich den Wolf. Das setzt sich aber bei dem gesamten Bau fort: kleben...schleifen...kleben...schleifen...und gipfelt in den Motorgondeln:
Die Tragfläche wir später einteilig aus zwei Hälften verleimt und ist in klassischer Holm-Rippen-Bauweise hergestellt. Die Haupt- und Hilfsholme werden aus Flugzeugsperrholz zunächst zusammengeleimt und dann in der Tragfläche verbaut. Hier bietet es sich an, diese mit Weißleim zu verleimen und gepresst trocknen zu lassen. Nur so bekommt man den, für den verzugsfreien Aufbau der Tragfläche geraden Holm. Ansonsten ist aber Sekundenkleber das Mittel der Wahl; diesen sollte man reichlich in verschiedenen Viskositäten vorrätig haben.
Nach dem Einbau der Fahrwerkshäuser, dem Ausbau der Landeklappen und Querruder, dem Einzug sämtlicher Kabel (Servo, Fahrwerk, Motoranschluss 3adrig bei zentralem Regler, Beleuchtung) wird jede Flächenhälfte mit der oberen Beplankung verklebt, die von einer Helling in Formgebracht wird. Diese Helling ist im Bausatz enthalten und muss auf einem ebenen Baubrett auf dem Plan der jeweiligen Flächenhälfte passgenau aufgebaut werden. Hier lohnt sich Geduld, viel Gewicht zum Beschweren, zahlreiche Klemmen und sorgfältiges Arbeiten. Dafür bekommt man eine stabile und verwindungssteife Tragfläche.
Das Design
Da ich vom Interceptor noch meine typische blau-weiße Schachbrettmusterfolie hatte und (da kommt die Sache wieder mit dem Geschmack) das Design eigentlich ganz schön finde, wurde hier der Rest dieser Folienkombination verbraucht. Weiß gab es diesmal als „Scalefolie", also mit einer zusätzlichen Schicht auf der Folie die einen absolut deckenden Farbton erzeugt. Sieht klasse aus, ist aber schlecht zu verarbeiten.
Die Verkabelung
Ich wollte gerne die Funktionalitäten eines Spektrum-Avian-Duo-Reglers haben und so viel die Wahl auf diesen Reglertyp. Konzeptbedingt ist die gesamte Elektronik auf dem Mittelteil der Tragfläche anzuordnen. Also Regler, Empfänger, Beleuchtungssteuerung und sämtliche verbindende Kabel. Zudem müssen zwischen Tragfläche und Rumpf Seiten- und Höhenleitwerk, Bugfahrwerk, Bugfahrwerkslenkung, die Hauptstromversorgung und die Beleuchtung verbunden werden. Das geht, ist aber alles nicht ganz so einfach zu realisieren. So habe ich jetzt ein XT-90-Stecker der den Stromanschluss vom Akku aufnimmt und einen 10-poligen Stecker (von Unilight) für die Verbindung der Servos und Beleuchtung. Die Stromversorgung für die Beleuchtung musste ich aus Platzgründen im Rumpf unterbringen.
Die Breite des Mittelteils wird von den Rippenabständen des Rumpfkastens bestimmt und misst 35 mm. Damit bekommt man noch die Kabellage am Regler vorbei nach hinten. Die Tragfläche hat vorne einen zentralen Bolzen zum Rumpf und wir hinten verschraubt. Ich habe den Aufbau mehrfach geübt, ist Trikki aber auch realisierbar. Also Rumpf in einen Modellbauständer auf den Kopf legen, Tragfläche zentrieren und den Bolzen vorne in den Rumpf einsetzen, Tragfläche etwas anheben um die Steckverbindungen herzustellen und dann mit der Zentralschraube befestigen.
Das Baustellenklo
Irgendwie braucht der Flieger einen Namen und eine Kennung. Zweimotorige Flugzeuge über 2 to Abflugmasse werden in Deutschland mit einem „I" nach dem „D" gekennzeichnet. Da ich beruflich in der Stadtentwässerung unterwegs bin, viel meine Wahl auf „D-IXIE". Und so ist die Piston-Twin nun fertig aufgebaut, beklebt und wartet auf den Erstflug. Ausgestattet mit einem Spektrum 10-Kanalempfänger AR10360T+ verfügt sie über den AS3X- und Safe-Modus. Zudem ist die Bugradlenkung über einem eigenen Kanal am Empfänger angeschlossen, was die Funktionalität des sog. „Bugradassistenten" von Spektrum ermöglicht. Ein guter Geradesauslauf beim Start sollte damit möglich sein.
Flugfertig wiegt die Twin 3,9 kg, dieses liegt lt. Hersteller in einem guten Bereich. Die Motoren sind D-Power AL 3542-07 mit 870 kv und drehen Luftschrauben 10 x 7. Da die Spinner (Aluminium-Spinner Durchmesser 40 mm) eine vorgefräste Öffnung für einen rechtslaufende Propeller haben, wollte ich nicht einen Linksläufer verwenden um einen gegenläufigen Antriebsstrang zu erhalten. Dafür hätte ich die Spinner komplett auffräsen müssen was mir optisch nicht gefallen hätte. Ausgerüstet mit einem Lipo 4 S-5.800 waren ca. 30 Gramm Blei im Bug notwendig, um den Schwerpunkt einstellen zu können. Hier hätten ggf. einzelne Regler in den Motorgondeln und der Fortfall des zentralen Reglers hinter dem Schwerpunkt eine günstigere Gewichtsverteilung erzielt. Da nur 10 Kanäle zur Verfügung stehen, habe ich die jeweiligen Servos der Höhenruderhälften und der Klappen nicht über ein einfaches Y-Kabel verbunden, sondern habe das „Dual Rate/Reverse Modul" von Simprop verwendet. Dieses bietet eine höhere Flexibilität bei der Einstellung der Ruder und kann ggf. vorhandene Bautoleranzen ausgleichen.